Wandern auf dem 66-Seen-Weg: Wünsdorf nach Trebbin

Mitte Juli sind wir bereits die dritte Etappe auf dem 66-Seen-Weg, der rund um Berlin verläuft, gewandert. Über die anderen Etappen werde ich später noch berichten, wenn ich die Zeit finde.

Wie bin ich auf den 66-Seen-Weg gekommen? Nachdem wir nach Berlin gezogen sind, habe ich nach Wanderwegen gesucht, die in der Nähe liegen und gut per Bahn erreichbar sind. Bei meiner Suche bin ich sehr schnell auf den 66-Seen-Weg gestoßen, der insgesamt über 400 km lang ist und „offiziell“ aus 17 Touren besteht. Sehr nützlich ist der Wanderführer von Manfred Reschke aus dem Trescher Verlag (14,95 ). Denn darin werden zahlreiche nützliche Hinweise gegeben, u. a.

  • Beschreibung der Touren
  • Abbildung des Wegverlaufes in kleinen Karten (kein allzu detaillierter Maßstab)
  • Angabe der Verkehrsverbindungen für An- und Abreise, also insbesondere, ob Bahnlinien vorhanden sind und Bezeichnung des Bahnhofes
  • Wegbeschaffenheit: Einteilung in naturbelassen, teilbefestigt, harter Belag
  • sonstige Angaben: Eignung der Tour für Radfahrer, attraktive Badestellen etc.

Unterwegs am 16. Juli 2017 …

Mitte Juli ging es für uns also nun von Wünsdorf nach Trebbin auf dem 66-Seen-Weg (Tour 15 im Wanderführer). Wünsdorf liegt etwa 20 Kilometer südlich von Berlin. Die Etappe ist mit ihren knapp 30 km eine ordentliche Tagestour, die aber – wie es in Brandenburg wohl nicht anders zu erwarten ist – keine nennenswerten Anstiege abverlangt.

Die Anreise aus Berlin ist mit dem Zug problemlos möglich, u. a. mit dem RE 5 mit Halten in Berlin Gesundbrunnen, Hbf (tief), Potsdamer Platz, Südkreuz und Lichterfelde Ost. Die Fahrt vom Potsdamer Platz dauert ca. 54 Minuten. Die Rückfahrt aus Trebbin ist z. B. möglich mit dem RE 3 mit Halten in Lichterfelde Ost, Südkreuz, Potsdamer Platz und Hbf (tief) dauert bis zum Potsdamer Platz nur ca. 31 Minuten.

In Wünsdorf-Waldstadt – so heißt der Bahnhof – angekommen, ging es erst einmal durch Waldstadt, einen früher selbständigen Gemeindeteil von Wünsdorf. Wünsdorf war vor etwa 100 Jahr noch ein Garnisonsstandort, während des 1. Weltkrieges befand sich hier ein Gefangenenlager. Über die militärische Vergangenheit können Interessierte im Garnisonsmuseum Wünsdorf mehr erfahren. Inzwischen sind sowohl Waldstadt als auch Wünsdorf als Ortsteile der Stadt Zossen eingemeindet. Der Ortsteil erweckt einen sehr ruhigen und beschaulichen Eindruck,  wie ich immer sage, brandenburgische Pampa. Und das ist gar nicht abwertend gemeint, denn ich mag es eigentlich ruhig … und grün. 🙂

Keine 3 Kilometer gelaufen, gerade aus Wünsdorf-Waldstadt hinaus, treffen wir auf ein Rehkitz. Wie aus dem Nichts läuft es vom angrenzenden Feld auf die Straße, bleibt stehen, schaut und rennt plötzlich zielgerichtet schnell auf uns zu.

In diesen Sekunden dachte ich, es solle bitte schnell ins Feld abbiegen, dann man Kitze nicht berühren soll. Und als hätte es meinen Gedanken gelesen oder bei näherem Hinsehen doch gedacht, dass wir nicht so vertrauenswürdig aussehen 😉 , drehte es plötzlich scharf rechts ab und verschwand ins Feld. Glück gehabt!

Die nächsten hundert Meter verliefen entlang eines Feldes, immer mal wieder umgeben von Bäumen und überall am Wegesrand erblickte ich verlockende Fotomotive … beim Wandern habe ich allerdings ich nur mein „Immerdrauf“-Weitwinkelobjektiv dabei. Dennoch habe ich versucht, das eine oder andere einzufangen. Insbesondere die zahlreichen Schmetterlinge, die mir vor die Kameralinse flogen … ich konnte gar nicht aufhören, zu versuchen, alle mit einem Foto einzufangen. Das führte aber auch dazu, dass wir kaum vorankamen und meine bessere Hälfte leicht ungeduldig wurde. 😉

Aphantopus hyperantus – Brauner Waldvogel

Arashnia levana – Landkärtchen (Sommergeneration)

Arashnia levana – Landkärtchen (Sommergeneration)

Aglais io – Tagpfauenauge

Aglais io – Tagpfauenauge

Die nächsten 4 bis 5 Kilometer wanderten wir hauptsächlich durch Wald oder am Waldrand entlang. Ich mag es eigentlich ganz gern, wenn Etappen abwechselnd durch Wald und anderes Gelände verlaufen.

Melitaea athalia – Gemeiner Scheckenfalter

Dann näherten wir uns einigen der 66 Seen, die entlang des 66-Seen-Wegs liegen. Wir passierten das Faule Luch, den Faulen See zwischen den Gipsseen und dem Krummen See hindurch. Kurz nachdem wir Sperenberg hinter uns gelassen hatten, trafen wir noch vor Kummersdorf auf die Mauern eines ehemaligen Militärgeländes. Das Eingangstor wird noch immer von zwei roten Sternen geziert.

Das ehemalige Militärgelände in/bei Sperenberg umfasst u. a. einen ehemaligen Militärflugplatz und Übungsplatz. Außerdem befand sich in Kummersdorf auch die Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, in der auch Wernher von Braun bis zur Verlegung nach Peenemünde tätig gewesen ist. Die genauen Standorte der jeweiligen der Versuchsstellen auf diesem großen Gelände habe ich – auf die Schnelle – leider nicht sicher herausfinden können. Wer sich aber gern näher informieren möchte, kann das Historisch-Technische Museum, Versuchstelle Kummersdorf besuchen oder eine der Führungen des Vereins mitmachen.

Außerdem hier noch ein Einblick aus einem Besuch der Berliner Morgenmost (2013) auf dem ehemaligen Flugplatzgelände:

Ab Sperenberg trafen wir zunehmend auf lauter Mücken, Bremsen oder andere kleine „fiese“ Insekten, die uns bis zum Schluss der Etappe begleiteten malträtierten. Da entlang des Weges keine Bänke und oder ähnliche Sitzgelegenheiten zu finden waren, rasteten wir nach etwa 15 Kilometern im Stehen in einem Waldstück, geschützt vor dem beginnenden leichten Regen. Es ist schade, dass es unterwegs – bis auf eine Ausnahme – keine Bänke gab. Denn ist doch ganz schön, während einer Rast und/oder dem Essen mal kurz zu sitzen. Die Mücken & Co. tänzelten unentwegt um uns herum und ich war nun doch froh, am Morgen trotz der Wärme versehentlich eine lange Hose angezogen zu haben.

Nach der kurzen Mittagsrast flohen wir nun die nächsten vier bis fünf Kilometer im vorwiegend offenen Gelände vor den Mücken und Bremsen, bevor uns der Weg durch Wald und am Waldrand entlang zum Großen Gadsdorfer See führte. Dort legten wir nun endlich auch eine kurze sitzende Verschnaufpause ein. Unmittelbar am Seesteg waren die kleinen Plagegeister glücklicherweise verschwunden. So konnten wir die Ruhe und ein angenehm wehendes Lüftchen genießen. 🙂

Großer Gadsdorfer See

Es lagen nun noch etwa neun Kilometer bis zum Ziel vor uns. Die nächsten drei Kilometer bis Christinendorf verliefen zunächst wieder durch Wald und anschließend offenes Gelände.

Nachdem wir durch Christinendorf hindurch gelaufen waren, begann allerdings der am wenigsten schöne Teil der Etappe. Gut drei Kilometer mussten wir nun an der B246 entlang laufen, auch die Auffahrt auf die B101 (Trebbin Ost) hinter den Leitplanken laufend passieren.

B246

Wir beide fanden diesen Streckenabschnitt wirklich nicht schön. Wir waren froh, als wir 2,5 km vorm Ziel, der B246 den Rücken kehren konnten. Bald erreichten wir kurz vor Trebbin den letzten See auf unserer heutigen Tages-Tour, den Trebbiner See.

Trebbiner See

Von hier aus steuerten wir nun zielgerichtet den Trebbiner Bahnhof an, den wir bereits als Startpunkt einer anderen Etappe des 66-Seen-Wegs kennengelernt hatten.

Daten zur Etappe

Auch diese Etappe des 66-Seen-Wegs ist sehr gut ausgeschildert, sei es durch Markierungen an Bäumen, Straßenschildern oder Wegschildern. Die Etappe läuft sich flüssig und angenehm ruhig. Einzig schade ist, dass es bis auf ein oder zwei Ausnahmen keine Bänke zum Rasten am Wegesrand gibt.

Distanz:  31,06 km
Gesamtanstieg:  203 Meter
Gesamtabstieg:  215 Meter

Wanderzeit (4 km/h): 7h 45min; auf dieser flachen Etappe ist aber eine schnellere Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h (6h 12min) realistischer.