Auf dem „Felsenweg 2“ durch die Kleine Luxemburger Schweiz

Am vergangenen Wochenende nutzten wir mit einem  Mietwagen die Chance, eine Wanderung zu machen, die wir nur per Anreise mit dem Öffentlichen Nahverkehr hätten nicht an einem Tag und nicht ohne Übernachtung umsetzen können. Auf dem „Felsenweg 2“ wanderten wir durch die Kleine Luxemburger Schweiz im NaturWanderPark delux. Die Kleine Luxemburger Schweiz ist eine Gegend im Nordosten des Großherzogtums Luxemburg, die ihren Namen den sie prägenden Sandsteinfelsen verdankt und Teil des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks ist.

Unsere Wanderung sollte noch auf deutschem Boden beginnen, aber dann über die Landesgrenze zu großen Teilen durch Luxemburg verlaufen. Nun führte uns bereits  die Anreise mit dem Auto ungeplant über die Landesgrenze, nachdem die vom Navi vorgeschlagene Streckenführung wegen einer Straßensperrung nicht umzusetzen war. Kurz kam die heiße Frage auf, ob es auf luxemburgischen Straßen eine Mautpflicht gibt … das iPhone wurde zu Rate gezogen und nach einer gefühlten Ewigkeit bei wirklich sehr schlechtem Telefonnetz gab es dank Google und Wikipedia die Entwarnung: das Autobahn- und Schnellstraßennetz in Luxemburg ist für Pkw mautfrei. Wieder etwas gelernt! 🙂

Startpunkt unserer deutsch-luxemburgischen Wanderung auf dem „Felsenweg 2“ ist Bollendorf, genauer der Wanderparkplatz oberhalb des „Waldhotel Sonnenberg“ (Sonnenbergallee 1, Bollendorf). Es gibt zwei Parkplätze oberhalb des Hotels, wobei der eine oberhalb rechts gelegen und der andere oberhalb geradeaus gelegen ist. Es können schätzungsweise etwa 10 Pkw dort parken.

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Der Wanderweg beginnt unmittelbar am Wanderparkplatz und dieser ist so als Startpunkt auf deutscher Seite ideal. Auf luxemburgischer Seite empfiehlt sich ein Start in Beaufort, da es dort ebenfalls Parkmöglichkeiten für Wanderer gibt, die mit dem Auto anreisen.

Gegen 10:30 Uhr auf dem Parkplatz angekommen, machen wir uns bereit, füllten noch Wasser in mein Trinksystem und machen auf den Weg. Wir wählen die Laufrichtung bergauf, also auf dem Rundkurs entgegen dem Uhrzeigersinn. Das hatte den Vorteil, dass ich mich gegen Ende der Wanderung noch mit Spannung auf die Mandrack-Passage mit ihren großen Felsen und ihrem engen Durchgang als Highlight freute. 🙂

Der Wanderweg verläuft zunächst auf einem Schotter-/Wirtschaftsweg und wechselt bald auf einen schön Waldweg auf teils felsigem Untergrund.

DSCF1240Bereits nach kurzer Zeit kommen wir bereits an den ersten Felsformationen vorbei, die uns stark an unsere Wanderungen in der Sächsischen Schweiz erinnern. Eigentlich möchte ich bereits zu Beginn der Wanderung immer wieder Fotos machen, weil ich die Natur um uns herum so schön finde. Aber wir müssen auch vorankommen, denn ab 17 Uhr ist Regen vorhergesagt. Auch haben wir anschließend ja noch eine gut zweistündige Autofahrt nach Hause vor uns.

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Der „Affenkopf“

Mal sind die Wege breit, ganz „Waldautobahn“, mal sind sie schmal, eng, mal auf felsigem Untergrund, mal steil, mal mit Geländer und doch immer gut ausgeschildert.

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Die Bäume ragen oft weit in den Himmel und es macht Spaß auf einem schönen Waldboden zu laufen, der mit Laubblättern und Nadeln bedeckt ist, sodass die Schritte gedämpft werden, ohne dass man es wahrnimmt. Erst jetzt beim Schreiben wird mit bewusst, wie leise es doch während der Tour war und dass ich nicht einmal mich selbst gehört habe. Abgesehen vom Schnaufen nach einem ordentlichen Anstieg. 😉

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Traumhafter Mischwald

Bereits nach kurzer Zeit kommt an der „Lingelsley“ auch schon die erste schöne Aussicht über das Tal und das Wetter ist uns wohlgesonnen.

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Aussicht auf Bollendorf vom Aussichtspunkt „Lingelsley“

Doch Zeit für lange Verschnaufpausen gibt es erst einmal nicht – nur die „Fotopausen“ stören den Wanderablauf. 😉 Weiter geht es zwischen kleinen Felsen hindurch und an großen Felsen vorbei. Dieser Wanderweg hat seinen Namen wahrlich verdient.

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Nun kämpft sich gegen halb zwölf auch die Sonne zwischen den Wolken hindurch und strahlt durch das dichte Blattwerk der Baumkronen in den Wald hinein. Wie schön! Unser Weg führt uns weiter vorbei an der „Muhmenlay“, einer weiteren Felsformation, bis wir schließlich den herausragenden „Predigtstuhl“ erreichen.

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Bei Sonnenschein nähern wir uns dem Grenzübergang nach Luxemburg, der uns bildlich sehr hübsch die Verkehrsregeln erklärt. Wir gehen einfach so über die Walldendorf-Brücke über die Sauer und sind auch schon in Luxemburg. Welche Freiheit dank dem Schengener Abkommen! 🙂

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Nun führt uns unser Weg durch das kleine luxemburgische Örtchen Dillingen, an Häusern vorbei, wobei der Weg nun auf gepflasterten und asphaltierten Wegen bzw. Straßen verläuft, bis er nach etwa 10 Minuten erneut auf einen Waldweg führt. Schon bald befinden wir uns wieder inmitten eines Meeres aus Blattgrün, durch das einzelne Sonnenstrahlen auf den Waldboden schimmern …

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… bis plötzlich wieder riesige Felsformationen inmitten des Waldes neben hohen Bäumen weit in den Himmel ragen. Eintönig ist dieser Weg wahrlich nicht, sondern bietet dem Wanderer einen steten Wechsel zwischen dichtem Laub-, Misch- und Nadelwald, felsigen, engen und breiten Wegen.

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Bald haben wir die Hälfte der Strecke geschafft und kommen in Beaufort. Die Begrüßungen mit anderen Wanderern unterwegs wechseln im Minutentakt zwischen deutschem „Hallo“, französischem „Bonjour“ und englischem „Hi“. 🙂 Wir sehen nun die Burgruine Beaufort, können das Schloss dahinter aber nur erahnen. Der Bau der Kernburg wird auf das 12. Jahrhundert datiert, wohingegen das dahinterliegende Schloss erst im 17. Jahrhundert erbaut worden ist.

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Burg Beaufort

Im Umkreis von Burg und Schloss Beaufort ist es auf der gesamten Strecke des Felsenwegs 2 am belebtesten. Wir treffen auf viele Motorradfahrer, die hier Rast machen,  und auch viele Spaziergänger mit wie ohne Hund. Wir gehen noch etwa 1,5 km weiter, bis sich der Trubel legt, um schließlich eine kurze Mittagsrast zu machen. Bis dahin führt der schmale Weg entlang eines Baches über kleine Brücken, Steintreppen und Steine im Wasser. Dieser Abschnitt hat ein klein wenig etwas Verwunschenes an sich.

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Nach der kurzen Rast geht es bald weiter. Schließlich wollen wir gern trocken am Auto ankommen und auch zügig vom Trubel in der Nähe des Schloss Beaufort fortkommen. 🙂 Über Stock und Stein durch den Wald geht es weiter. Inzwischen hat die Sonne, auch wenn sie immer wieder hinter den Wolken verschwindet, die Temperaturen etwas in die Höhe getrieben und neben den Höhenmetern treibt uns auch die Schwüle den Schweiß ins Gesicht.

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Nach etwa 16 Kilometern verlassen wir den Wald wieder und überqueren im Örtchen Grundhof eine Straße, bevor es an Feldern entlang erneut bergauf geht.

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Nach etwa einem weiteren Kilometer geht es in den Wald hinein und die nächsten Felsen warten auf. Nun wird der Weg teilweise wieder enger und ist nun mitunter auch durch ein Geländer gesichert. Auf einem späteren kurzen Stück links des Weges geht es doch sehr steil hinab und ich versuche, nicht nach unten zu schauen. 😉

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Voller Spannung fiebere ich auf den letzten Kilometern der Mandrack-Passage entgegen und frage mich, ob diese tatsächlich auf dieser Tour liegen sollte oder doch auf einer der vielen anderen Touren, die ich in den letzten 24 Stunden  als mögliche Wanderungen recherchiert hatte. Ich war mir nicht mehr sicher, ob und wann sie kommen sollte. Doch selbst wenn ich mich geirrt haben sollte, war der Rundkurs bisher so schön, dass dies auch zu verschmerzen gewesen wäre.

Wenige Kilometer vor dem Ende der Tour treffen wir nun auf eine Felsformation, die über eine Treppe bestiegen werden kann. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen und nehmen auch diese Höhenmeter noch in Angriff. Die Aussicht ist durch die Natur etwas eingeschränkt, aber dennoch schön! Wer länger verweilen möchte, kann sich hoch oben auf dem Felsen auf eine Bank setzen.

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Kaum sind wir von dem Aussichtsfelsen hinabgestiegen, kommen wir tatsächlich an der Mandrack-Passage an! Die Felsen sind gewaltig und beeindruckend. Ich freue mich total, zwischen den engen Felsen hindurchzugehen. Die Mandrack-Passage ist an der engsten Stelle in Schulterhöhe nur etwa 40 cm breit, sodass wir unsere Rucksäcke abnehmen und seitlich hindurchgehen. Eigentlich ist es „nur“ Natur, aber gerade deshalb so faszinierend und begeisternd, finde ich! 🙂

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Nach der Mandrack-Passage kommen wir noch am Kalekapp vorbei und haben es dann nicht mehr allzu weit. Zunächst geht es stetig bergab ins Tal, dann passieren wir die Brücke in Bollendorf über die Sauer und sind auch schon wieder in Deutschland. In Bollendorf geht es vorbei an einigen Wohnhäusern, Feldern, einer Pferdekoppel und schließlich wieder hinauf zum Wanderparkplatz. Schon ist unsere Wanderung auf dem Felsenweg 2 nach etwa sechs Stunden auch wieder vorbei.

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Die Wolken ziehen sich bereits zusammen, als wir gegen 16:45 Uhr am Parkplatz ankommen. Etwa eine Stunde später auf der Autobahn kommt ein Wolkenbruch, den wir glücklicherweise im Auto im Trockenen verbringen. 😉

 

Daten zur Etappe

Die Anreise mit dem Auto aus Düsseldorf dauert etwa 2:15 h. Eine Anreise mit dem ÖPNV gestaltet sich weniger bequem und kommt sicher nur in Betracht, wenn man eine Übernachtung bzw. einen Aufenthalt von mehreren Tagen plant. Mit der Bahn ist eine Anreise über die Bahnhöfe „Trier“ oder „Bitburg“ möglich, wobei von dort aus mit dem Linienbus weiter gereist werden müsste. Weitere Bahnstation ist „Wasserbillig“ in Luxemburg. Von hier aus geht es mit stündlich fahrenden Linienbussen weiter.

In Bollendorf gibt es u.a. eine Jugendherberge, die sich als preiswerte Übernachtungsmöglichkeit anbietet, wenn man einen mehrtägigen Aufenthalt im NaturWanderPark delux plant.

Der Felsenweg 2 ist die gesamte Strecke über sehr gut ausgeschildert. Der Wanderweg ist durchaus anspruchsvoll und wartet mit einigen Höhenmetern auf, die aber auch zu viel Abwechslung und Wanderspaß beitragen. Der Rundkurs ist wirklich sehr schön und empfehlenswert.

Distanz: 21,88 km
Höhenmeter: 859 m

Wanderzeit (4 km/h): 5:30 h